Ja, der oben angegebene Vergleich ist fragwürdig und sehr skurill. Doch die deutsche Hauptstadt ist nicht mehr Schlusslicht des deutschen Wachstums, die Arbeitslosenzahlen rauschen rapide in den Keller und die Wirtschaft brummt.
Natürlich ist Berlin immer noch sehr weit von einer guten Wirtschaftsverfassung entfernt. Die Arbeitslosenquote mag innerhalb von drei Monaten um über 2% gefallen sein, der Flugverkehr mag erneut um über 12% zugenommen haben, das Wirtschaftswachstum hat schon über 1,2% für das Jahr erreicht – doch letztlich ist das eine Verbesserung von sehr schlecht auf mies. Aber immerhin.
Für ausländische sowie deutsche Investoren ist Berlin aber alles andere als eine Armutsstadt. Der 90er-Jahre-Boom, wo faktisch die ganze Innenstadt neu gebaut wurde, wiederholt sich nun. An jeder Ecke der Innenstadt wird gebaut, jetzt sind selbst traditionelle, kultige Viertel wie der Prenzlauer Berg dran. ‘Gated Communities’ und ‘Townhouses’ sind in Berlin auf dem Vormarsch, vor allem Luxusimmobilien sprießen an jeder Straßenecke empor. Auffällig: Während die City West ehrgeizige Pläne wie das Zoofenster und den Atlas-Tower hat, zwei Tower mit immerhin 120 Metern Höhe, geht es in der City Ost wesentlich schneller voran. Allein in der Umgebung von Friedrichstraße und Unter den Linden sind über 5 Hochhäuser im Bau. Einen neuen Wolkenkratzer krieg die City Ost jetzt neben den schon zwei bestehenden jetzt übrigens auch: Am Alexanderplatz wird in einigen Monaten losgebaut. Hier folgt ein kurzer Überblick über das Baugeschehen in der deutschen Kapitale:
Projekt: Spreedreieck Berlin
Grundstück: Friedrichstraße 140
Ein 10-geschossiges Bürohochhaus wird aus dem Boden gestampft mit sehr eigenwilliger Architektur. Zur Webcam: http://www.projektwerke.de/livecam/3.html
Grundstück: Friedrichstraße 100
Direkt am Bahnhof Friedrichstraße wird ab Juni ein Büro- und Hotelkomplex im Wert von 80 Mio. € hochgezogen. 10 Etagen, gleich neben dem traditionellem Admiralspalast und unmittelbar gegenüber vom Spreedreieck 140. Die Eigentümer verklagen sich übrigens alle gegenseitig – denn alle wollen mindestens 15 Etagen bauen, erlaubt sind aber nur 10. Der Senat hat jedoch bereits alles bewilligt – nun wird rückgerudert. 25 Mio. € Steuergelder hat der Bauskandal am Spreedreieck die Berliner bereits gekostet. Dennoch: Ein Erfolg ist das Viertel allemal. Die 4 großen Bauflächen wurden seit 2005 alle neu bebaut – der Admiralspalast immerhin vollsaniert.
Projekt: Upper Eastside Berlin (Friedrichstraße 89)
In unmittlebarer Nachbarschaft entsteht momentan das teuerste Bauprojekt auf Berliner Boden, zumindest für das Jahr 2008. 250 Mio € investiert ein Kosortium in das ungeniert „Upper Eastside Berlin“ heißende Filetstück direkt an der Kreuzung Unter den Linden/Friedrichstraße. Eine Webcam gibts auch, das Projekt wird im Herbst fertiggestellt: http://www.upper-eastside-berlin.com/
Objekt: Die Mitte (Alexanderplatz)
Direkt am Alexanderplatz wird es historisch: Nach 70 Jahren wird der Platz wieder so sein, wie er einst aussah: geschlossen zu allen Seiten hin. Der Einkaufskomplex Die Mitte wird den weltgrößten Saturn bieten (gegenüber existiert bereits der weltgrößte Media Markt) und insgesamt weit über 20,000 m² Verkaufsfläche. Das Projekt wird ebenfalls im Herbst zum Abschluss kommen (inklusive Webcam): http://www.alexanderplatz.de/