Beiträge vom August 2008
Ein paar abgehobene Investoren streicheln jetzt wieder das Berliner Ego, in dem sie die völlig unprominente Straßenkreuzung Unter den Linden/Friedrichstraße mit einem 200+ Mio. €-Komplex bebauen, der sich mit ganz erstaunlich vornehmen Understatement „Upper Eastside Berlin“ nennt.
Wer dabei jetzt an ein weiteres gesichtslosen Klotz mit ein paar Nobelshops und Luxuseigentumswohnungen denkt, der irrt. Zwar findet sich auch gerade das in der „Upper Eastside“, doch statt langweiliger Architektur mit verglasten Fensterfronten und ein bisschen Stahlbeton setzten die Architekten auf das ebenso innovative Sandsteinimitate. Na wie toll, denkt man da zuerst. Doch halt: Seit letzter Wochen fallen die ersten Baugerüste für das Projekt und man schaue da: Das sieht doch nach Klasse aus, nicht nach möchtegern-Weltstadt. Meiner Meinung nach eines der besten Bauprojekte der letzten Jahre in der Hauptstadt – das „Spreedreieck“ gleich gegenüber sollte sich davon eine Scheibe abschneiden. Das wird nämlich innovativ mit Glas inklusive grotesken Plasteelementen verkleidet…
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Mit Tag(s) versehen: Spreedreieck, Upper Eastside Berlin
Über diese Zahl bin ich schlicht beeindruckt. 45 Mal wurden Seiten von diesem lächerlich kleinen Blog heute bereits abgerufen – ein Rekord in der viermonatigen Geschichte dieses Traditionsblogs. :P
Immerhin muntert das ja zum Weiterschreiben auf. So ein paar Leser, die sich vielleicht auch nur unfreiwillig hierher verirrt haben, reichen mir doch vollkommen aus. Wer will denn auch schon für einige Tausend schreiben, gell? Wie uncool.
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Mit Tag(s) versehen: Rekord
August 2008. Parteitag der Demokraten. Feierlaune? Iwo. Die Obamania aus dem Frühjahr ist weitestgehend verflogen, seitdem sich enttäuschte Clinton-Wähler von Obama abwenden. Der letzte Schlag, mit sie ihm seinen Sieg nehmen könnten, hat getroffen: McCaines Umfragewerte stiegen leicht, der knappe Vorsprung von Obama schmolz nur so dahin. Nun liegen beide Kandidaten also gleich auf – mit ungünstiger Tendenz für Obama.
Bei all dem Medienkrieg im Frühjahr: So hätte sich Hillary Clinton den erbitterten Endspurt für die Wahlen im November nun doch nicht vorgestellt. Nachdem man sich bereits im Juni im US-Dörfchen Unity ganz versöhnlich gegeben hat, ruft sie nun ihre Anhänger(innen) dazu auf, Obama weiter zu unterstützten. Das ihre Rolle in der neuen Demokraten-Politik dafür selbst noch gar nicht (öffentlich) geklärt ist, übergeht sie rigoros. Wenn wenigstens feststehen würde, dass sie Außenministerin werden würde. Aber nein – womöglich kommt sie gar nicht in das Kabinett? Oder will sie vielleicht gar nicht? Unity und eine geschlossene Front gegen die Republikaner sehen wirklich anders aus.
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Also mal ganz ehrlich: Das soll nun die visionäre, von Sat.1 in mühevoller, jahrelanger Perfektionsarbeit erstellte neue Telenovela sein? „Anna und die Liebe“ feierte gestern mit geradzu visionärem Drehbuch eine recht glanzlose deutsche Fernsehpremiere. Wie Jeanette Biedermann sich durch die Irrungen und Wirrungen des Alltags schlägt, wollten 1,91 Mio. Menschen ab 3 Jahren sehen, vornehmlich älteren, denn in der Zielgruppe reicht es mit lausigen 0,89 Mio. nur zu ebenfalls miesen 11,6% Marktanteil. Ein erneuter „Verliebt in Berlin“-Erfolg sieht anders aus – aber wer hätte den vor lauter Abgedroschenheit denn schon erwartet? Genau…
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Achtung, es darf gelacht werden! Der Berliner Tagesspiegel aus dem Haus Axel Springer zählt normalerweise zu den seriösesten Qualitätsblättern der Hauptstadt – doch mit einer neuen Architekturserie fällt man nun ziemlich auf die Nase. Belangloses Zeug wird hier zusammengemischt mit ach so spektakulären Ankündigungen von aufmerksamkeitsheischenden Investoren - so macht man heute spannende Stories in Berlin. Handfestes lässt sich kaum finden, dafür einmal mehr die üblich vor sich hin schwadronierten Versprechen. Kein kritisches Hinterfragen, ob der portugiesische Immobilienkonzern Sonae Sierra den Mund vielleicht zu voll genommen hat oder Hines den Karren wegen der Wowereit-Watsche für „Die Mitte“ aus dem Dreck ziehen will. Schade eigentlich.
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Die Konservativen der Republik wollen neue Wählerkreise erschließen – was ist dafür besser als das Netz? Genau, das dachten sich wohl auch die Werbestrategen und erstellten in Kooperation mit dem mächtig angesagten Youtube die sensationelle Online-Plattform CDU TV. Ronald Pofalla, seines Zeichens CDU-Generalsekretär, besucht die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Genau, gleich ein bisschen unterhaltsame Sozialismuskritik zum Anfang. So weiß jeder gleich, wo die CDU steht und wird die ungeheuer geschichtsverliebte deutsche Netzjugend sicherlich ohne Einschränkungen begeistern können. Ehrlich, darauf haben doch alle gewartet. Pofalla und SED-Aufarbeitung – warum hat man nicht gleich den Lafontaine eingeladen zum Small-Talk?
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Mit Tag(s) versehen: CDU, Youtube
Seit vergangenen Freitag und noch bis heute Abend laden alle 14 Bundesministerien in der Hauptstadt zum jährlichen Tag der offenen Tür. Letztes Jahr nahmen an dem Spektakel über 200,000 Interessierte teil und trotz schlechten Wetters ist die Neugierde auf die Arbeitsplätze der Staatsbediensteten wieder ungebrochen. Als Crowd Stopper erweist sich einmal mehr das Bundeskanzleramt, doch auch das Ministerium für Auswärtiges und das Presseministerium sind auf jeden Fall einen Blick wert. Wer dieses Jahr den Termin verpasst, der sollte sich die vorletzte Augustwoche 2009 gut einprägen, denn selten bekommt man sonst solch tiefe Einblicke in das Zentrum der deutschen Politik.
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Mit Tag(s) versehen: Tag der offenen Tür, Bundesregierung
Der Berliner Kurfürstendamm und der sich anschließende Tauentzien gehören zu den nobelsten und teuersten Adressen in Berlin. Das steht außer Frage, doch in den letzten Jahren schwächeln die Umsätze, da die wesentlich urbaneren Stadtzentren in Berlin die kaufkräftige Kundschaft anziehen. Neben der teuren Friedrichstraße (Bild) zählen dazu natürlich zuerst der hochmoderne Potsdamer Platz (Bild) und der frisch für einige dutzend Millionen Euro renovierte Alexanderplatz (Bild), der zwar neuerdings keine Verweil-Atmosphäre bietet, dafür aber echt weltstädtisch daher kommt. Im Vergleich mit diesen boomenden Zentren wirkte die Atmosphäre mit dem 70er-Jahre-Flair regelrecht schmuddelig und altbacken. Das soll nun mit einem einige Millionen Euro teurem Rundum-Lifting behoben werden.
Zwar ist der Tauentzien dank etlicher großer Luxus-Einkauspaläste wie dem gigantischen KaDeWe, einer der größten Peek&Cloppenburg-Fililalen sowie Deutschlands erstem Niketown-Store und dem Adidas-Laden noch gut in Takt, doch spätestens der dann folgende Kurfürstendamm hat fast alles von seinem ehemaligen Glanz verloren. Die Renovierung ist also längst überfällig.
Diese neue von der Stadt finanzierte Investition gehört zu der jüngsten Auffrischungs-Kur der City-West. Boomte seit der Wende die gesamte City-Ost bis hin zum Potsdamer Platz, so hat die damals exklusive westliche Innenstadt wenig davon gesehen. Das Blatt hat sich so gewendet – Luxuslabels schmücken sich nun vielmehr mit Flagship-Stores am Potsdamer Platz und in der Friedrichstraße als am Kudamm. Mit dem im Bau befindlichen 118-Meter Hochhaus, dem Zoofenster, dem weltgrößten Riesenrad genau gegenüber und den hoffentlich bald bestätigten Atlas-Tower am Schimmelpfeng-Haus geht es nun endlich auch für die gediegene westliche Innenstadt wieder bergauf.
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Ich bin eigentlich selten schadenfroh. Wenn aber das entsetztliche Möchtegern-Fantasyepos „Die Chroniken von Narnia – Prinz Kaspian von Narnia“, das an den 2005er-Blockbuster „Die Chroniken von Narnia“ anknüpft, weltweit floppt, dann kann man nicht anders, als sich zu freuen. Die auf der Bücherreihe von C. Lewis basierenden Fantasyfilme waren für mich als nicht Gläubiger schon immer moralisch sehr fragwürdig und die billigen Versuche eines „Herr der Ringe“-Abklatsches waren für mich kaum ernst zu nehmen. 250 Mio. $ pumpte man nun in das Sequel – das wollte erwachsener sein, böser, dunkler. Wie Harry Potter eben, der mit nunmehr 5 Filmen (Nummer 6 startet im November) erfolgreich die Wandlung vom Kinderfilm zum Thrillerfantasyepos geschafft hat. Bei „Narnia II“ ging die Mischung aber nicht auf. Die erschreckend schlechten Kritiken und die negative Überraschung durch Teil 1 hielten die Massen von den Kinos fern.
In den USA gab es statt 290 Mio. $ wie beim ersten Teil nur die Hälfte, in England konnten statt 44 Mio. Pfund nur 11 (!) umgesetzt werden. Auch in Deutschland war Narnia 1 mit 3,9 Mio. Besuchern überaus erfolgreich – doch der zweite Teil, der seit diesem Donnerstag auch in über 900 Kinos in Deutschland gespielt wird, wird mit rigoroser Ignoranz abgestraft. Niemand hatte ein neuerliches 700,000-Wochenende erwartet, doch nur 350,000 Besucher in 4 Tagen mitten im Hochsommer bedeuten eins: Die 1-Mio.-Marke könnte eventuell nicht geknackt werden, da nächste Woche bereits der mit Spannung erwartete „Die Mumie 3″ startet. Da bleibt uns ein dritter Teil des christlichen Fantasy-Exzesses hoffentlich erspart. Oder welches Studio steckt schon 250 Mio. $ in einen Film, der weltweit nur 400 Mio. $ einspielt?
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Das skandalumwitterte Grundstück nördlich des Bahnhofs Friedrichstraße, im Volksmund wegen seiner dreieckigen Form auch „Spreedreieck“ genannt, wird seit geraumer Zeit bebaut. Statt eines 40-geschossigen Hochhauses, dass einen sehr schönen Akzent an dieser Stelle gesetzt hätte, hat ein nur 50 Meter hoher Büroturm mit 10 Etagen des Architektenbüros Müller-Spreer das Rennen gemacht. Diese prominente Ecke in Berlin hat sicherlich Potenzial für mehr – doch immerhin wird überhaupt gebaut.
Das Ergebnis kann sich jetzt schon sehen lassen. Seit letzter Woche hat das „Spreedreieck“ mit dem der Spree zugewandten Hochausflügel die endgültige Bauhöhe von etwa 50 Metern erreicht. In schätzungsweise einem Monat wird auch der Flügel, der direkt an der Friedrichstraße empor strebt, seine eindgültige Höhe erreicht haben. Die passend platzierte Webcam zeigt dabei sehr deutlich, wie dringend dieser doch eher weniger beachtete Abschnitt der Friedrichstraße Richtung Norden dieses Objekt gebraucht hat.
Schräg gegenüber verschwindet seit letzter Woche dann auch noch die letzte große Brache an der Friedrichstraße. Das Grundstück mit der prominenten Adresse Friedrichstraße 100 wird mit einem wenig spektakulären Bürokomplex bebaut, wie man ihn in Berlin momentan an jeder Ecke findet. Viel Stahl, Glas und Sandstein - das sind die Zutaten für möglichst investorenfreundliche Projekte. Trotz dieser eher enttäuschenden Entwürfe ist es doch eine echte Wohltat, dass die heruntergekommenden DDR-Baracken endlich abgerissen werden. Innerhalb der letzten zwei Jahre hat sich dann das Viertel um die Friedrichstraße nördlich der Stadtbahn komplett gewandelt. Dem neuen Spreedreieck, Sol Melia-Hotel, Admiralspalast, Friedrichstraße 100, Grimme-Zentrum und Pergamon Palais sei Dank.
Ein immer sehr verlässliches und informativen Forum ist übrigens das Deutsche-Architektur-Forum. Mit vielen aktuellen Bildern und interessanten Hintergrundinformationen ist es mein absolutes Lieblingsforum geworden, da andere Foren kaum Bildmaterial liefern und die Diskussionen sich wegen fehlender Ortskenntnisse meistens recht realitätsfern bewegen. Wenn sich etwa Stuttgarter und Münchener über das zugegebenermaßen verschwenderische Berliner Leben auslassen und (zu Recht) unseren unfähigen Senat, aber auch die Einwohner kritisieren und nebenbei freimütig zugeben, in den letzten 15 Jahren nie in Berlin gewesen zu sein, dann trifft das auf Unverständnis. Gerade dieses theoretische Gezanke kommt in diesem Forum kaum auf. Also einfach reinschauen und mitdiskutieren!
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