5 satte Monate sind seit meinem letzten Eintrag im Oktober ‘08 vergangen. Gegeben hat es den Blog nur ein paar Monate seit vergangenem April und als Output sind lediglich einige bemitleidenswerte Sätze nachzuweisen. Dabei war ich damals echt ein begeisterter Blogger, als ich mich noch wesentlich stärker für den indischen Film interessiert habe. Da denke ich fast melancholisch an meine fast zweijährige Aktivität im Bollywoodblog zurück. Schade, dass sich bis heute kein neuer Schreiber gefunden hat. Wobei, ohne guten Grund bin ich natürlich nicht weggegangen, aber manche Differenzen muss man ja nicht immer wieder ansprechen.
Hatte das Blog zuvor wenig mit mir selbst zu tun und ging es lediglich um x-beliebige Nachrichten um eines meiner Hobbys, der Architektur, finde ich, dass ein neuer Anstrich her muss. Mitteilen in bisheriger Form kann man sich wesentlich schneller und auch unterhaltsamer. Geändert hat sich eigentlich kaum etwas. Mittlerweile stecke ich im 2. Semester der Berliner Oberstufe und krieg die Tür voller Facharbeiten, Essays und Präsentationen gar nicht mehr zu. Da sah es vor gerade mal ein paar Monaten noch ganz anders aus. Mehr oder weniger erfolgreich geoutet habe ich mich dann auch noch, was sicherlich einer der Hauptgründe für die Einstellung der Aktivitäten ist. Wenn man so etwas nicht selber durchgemacht hat, fehlt einem sicherlich einiges an Erfahrung. Wie viel Stress und Verzweiflung dahinter stecken, mag man sich als Außenstehender gar nicht ausmalen. Aber selbst im Jahr 2009 ist es immer noch der blanke Horror – was die Gesellschaft den eh schon mitgenommenen Jugendlichen hier zumutet, ist fast schon abnormal.
Wenn man danach immer noch auf der geraden Bahn ist, dann hat man aber nicht nur eine gewaltige Anstrengung hinter sich, man baut auch eine unglaubliche innere Stärke auf. Ich will mich nicht hochpushen, aber wenn ich meine emotionale und psychische Reife mit den durchschnittlichen Eumels meines Jahrgangs vergleiche, na dann gute Nacht. Gerade die (meistens sind sie dann auch noch die Mobber) haben nicht einmal im Ansatz Ahnung von dem, was die betroffenen Jugendlichen durchgemacht haben.
Echt positiv und sehr hilfsam ist da die deutsche Blogger-Szene im Netz. Steven Milverton führt ein exzellentes, sehr persönliches und authentisches Blog mit wirklich wunderbar geschriebenen Artikeln. Das hat mich immer daran erinnert, warum man den ganzen Stress auf sich nimmt. Wobei mein momentanes Output an Erfahrung nicht gerade glänzen kann: Eine von mir richtig deftig in den Sand gesetzte Beinahe-Beziehung und eine ganz miese, verlogene Bekanntschaft haben mir in den letzten Monaten echt gereicht. Seit geraumer Zeit bin ich deswegen erstmal wieder auf Distanz und brauchte echt eine Auszeit. Ich hätte mir vor ein paar Monaten nicht vorstellen können, emotional doch so verletzbar zu sein. Da hat man über andere tragische Stories nur müde geschmunzelt und es als unnötig dramatisierend abgetan, doch wenn man selbst mies hintergangen und reingelegt wurde, dann ist das noch einmal etwas ganz anderes.
Wirklich lustig und interessant sind aber die Charakterseiten von mir, die ich bis vor kurzem selber noch gar nicht kannte. Ungehemmente Zelebrierung des westlichen Lifestyles ist etwas ungemein ausfüllendes und in Berlin einfach perfekt. Die neuesten Trends zu vergleichsweise spottbilligen Preisen. Für Outfits, die in Frankfurt oder München gerne einige hunderte Euro kosten, bezahlt man in Berlin nur Bruchteile. So wurde meine Kreditkarte bei dem letzten Shopping-Exzess mit müden 300€ belastet – inklusive Wintermantel, Winterjacke, 2 neuen Jeans, 2 neuen Polo-Shirts, 3 neuen Pullover, 3 Schals und 2 Paar neue Schuhe. Der Springfield-Store in meinem Center hat da sicher den Umsatz des Jahres gemacht.
Erstmals lernt man da auch seine sozialen Verhältnisse zu schätzen. Ich war nie ein Fan der biederen Vorort-Idylle in Berlin-Biesdorf, das typisch deutsche Suburbia mit 30,000 Einwohnern und jeder Menge langweiliger Snobs. Im Nachhinein ist es echt ein Glücksfall, hier zu leben. Die Leute sind wahnsinnig liberal und tolerant. Selbst meine Eltern ordne ich mittlerweile doch eher zu den liberalen gutbürgerlichen Menschen zu, die die Grünen wählen und Bionade trinken. Irgendwie kommt da schon manchmal richtiges Prenzlauer-Berg-Feeling auf, wenn man wie letztens an einem strahlenden Frühlingstag auf der Terasse mit herrlichem Blick in den Garten die neueste Starbucks-Kreation trinkt. Was mich gleich zu einer ungemein sympathischen Kolumne im Web bringt: Die der Focus-Redakteurin Louise Stein. „Von Moden und Menschen“ schildert pointiert und voller Lebensfreude die aktuellen issues der high-end-Konsumenten von New York bis München. Das ist ein Society-Report, nicht, was manche Axel Springer-Magazine dem geneigten Leser vorgaukeln wollen.
Ach, und den neuesten iPod Touch von Apple konnte ich doch auch nocht so alleine bei Amazon lassen. Wurde natürlich prompt geordert und für perfekt befunden. Mittlerweile bereue ich es aber echt, nicht gleich das iPhone 3G gekauft zu haben, da ich mein altes Motorola RAZR immer noch bei mir haben muss. Einfach nur Steinzeit.
3 Antworten bis hierher ↓
Steven // März 22, 2009 um 1:38 |
Ich danke herzlich für die freundliche Erwähnung!
mikepw // März 28, 2009 um 7:40 |
Ach, ich bezweifle, dass die Erwähnung auch nur irgendwie zum Blog-Marketing wird. Aber gute Blogs sollte sind heute so rar, die meisten bloggen ja doch leider nur, weil es gerade in ist.
Steven // März 28, 2009 um 10:23 |
Was?? Bloggen ist in? Ich höre sofort auf damit!