Die erste extreme Hitzewelle des Sommers 2010 ist vorbei, ein heftiger Sommerregen hat wieder frische Luft in die Lebensadern der Metropole gespült und dem dampfenden Asphalt Einhalt geboten. Die maritime Westwetterlage beschert uns angenehme 24 Grad und einen herrlichen, leicht bewölkten Sonnenuntergang. Seit einigen Jahren setzte ich mich dabei abends auf mein Fensterbrett und halte einen Moment inne – eine kurze Verschnaufpause, um über das Leben und die Zukunft nachzudenken.
Den zahlreichen Gedanken-gängen zum Trotz, die mich dieses Jahr bereits beschäftigt haben, ist es das erste Mal seit vielen Monaten, in denen ich mir einen leckeren Apfel schnappe, Lounge-Musik einlege und in mir ein mir merkwürdig fremdes Gefühl spüre: Ausgeglichenheit.
Dabei fallen eine ganze Reihe von Faktoren zusammen. Anfang des Jahres klammerte ich an meinen Kindheitserfahrungen, an meinem Leben in Berlin-Biesdorf. Ich wollte in die Stadt zu ziehen, auf eigenen Füßen stehen – aber möglichst keine finanziellen Einschränkungen hinnehmen.
Mittlerweile schaue ich mir nette Altbauwohnungen in Neukölln an, kaufe ab und zu bei türkischen Läden ein, wenn ich bei P in Kreuzkölln bin. Ich habe das Gefühl von Ausgeglichenheit, weil ich dieses Mal bereit bin für einen Neuanfang. Für ein neues Abenteuer – direkt in der Stadt, im Schmelztiegel der Kulturen. Mit einem guten Abi in der Tasche und verschickten Bewerbungen an die Unis im Rücken habe ich genug Sicherheit, um mich fallen zu lassen. Raus aus gewohnten Gefilden – raus aus der Ambivalenz. Ich verfluchte die gediegene Langeweile der Vororte, wollte aber auf der anderen Seite keine Statuseinbußen hinnehmen. Nun also ein kräftiger Schritt nach vorn, ein Schritt in die richtige Richtung. Raus aus der bürgerlichen Vorstadt, rein ins Studentenleben.
P, seines Zeichens selbst Student der Psychologie, steht mir da mit Rat und Tat zu Seite. Er ist Anfang 20, steht relativ fest im Leben und hat ein ähnliches Weltbild wie ich – nur noch einen gehörigen Tick ideeller. In kaum vier Wochen habe ich den Materialismus in meinen Charakter gehörig zurückgedrängt, heute etwa habe ich Esprit-Shirts im Sale für 9,95€ erworben. Cooler Street Style und so viel authentischer als die vielfach teurere Markenware. Nachdem die Katharsis mit dem “Turning Point” eingeleitet wurde, findet sie nun also einen vorläufigen Höhepunkt. Die in Unmengen vorhandene positive Energie versuche ich also in Zukunft noch mehr in mein Handeln zu übertragen. Mehr Tatendrang – less talking, more doing. Was wäre da geeigneter, als sich nach einer eigenen Wohnung umzusehen?
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