Seit zweieinhalb Jahren vertraue ich dem Großstadttrubel viele von meinen intimsten Geheimnissen an – über die Jahre hat es sich für mich zu einer oftmals sehr angenehmen Möglichkeit entwickelt, Gedanken in Tagebuchform im Netz zu veröffentlichen. Das ist oft mit wenig Resonanz geschehen, worüber ich im Nachhinein auch dankbar bin. Die von mir erdachten Denkanstöße haben sich mit der Zeit mal mehr, mal weniger verwirklicht – sind aber in allen Fällen von mir selbst ausgegangen und unterstreichen damit die Tatsache, dass der Blog überwiegend der Selbstreflexion diente.
Im Jahresendspurt 2009 erwähnte ich meine Einstellung zum Blog:
Es gibt eben immer noch Arbeit und gerade deswegen bin ich so glücklich, dass ich dieses Blog füttern kann. Ich habe die Blogs von Steven und dem Gay Banker immer verehrt, weil es mir wie eine Lifestyle-Zelebrierung vorkam. Dabei erzählten sie lediglich ehrlich und authentisch aus ihrem alltäglichen Leben. Und wer weis, irgendwann wird sicherlich der Punkt kommen, wenn auch ich das Bloggen nicht mehr brauche, um Probleme verarbeiten zu können, sondern absolut ehrlich zu meinen Freunden sein kann, vor denen ich immer noch so viel verheimliche.
Nun, ein knappes Dreivierteljahr später, ist es Zeit für ein Fazit: Ich brauche nichts mehr zu verheimlichen. Als ich letztens in der S-Bahn saß, auf dem Weg zu einem gemütlichen Wochenende mit P, kam mir erstmals in den Sinn, dass ich dem Großstadttrubel eine Auszeit gönnen könnte. Daran hat allerdings nicht nur meine absolute Offenheit mit P “schuld”, sondern mein mittlerweile fortgeschrittener Coming-Out-Prozess. Meiner besten Freundin A etwa erzählte ich es ganz relaxt an einem winterlichem Tag im März, als wir spät im Starbucks am Potsdamer Platz saßen, während als letzter großer Brocken mein Vater Mitte Juli von der Existenz von P erfuhr. Beide reagierten positiv, A war sicherlich vielmehr vor Aufregung aus dem Häuschen als mein Vater, der das trotz aller liberalen Werte erst einmal verdauen musste.
Was ich nun aber früher in den Blog schreiben musste oder wollte, kann ich jetzt einer vergleichsweise großen Zahl von Bezugspersonen anvertrauen: Freund P, beste Freundin A sowie meine Eltern und meine Schwester stehen beinahe wie selbstverständlich hinter mir und geben mir die sichere Basis, die ich für eine weitere charakterliche Entfaltung brauche. Damit zerfällt auch allmählich die Grundlage dieses Blogs.
Nein, der Großstadttrubel wird nicht von heute auf morgen eingestellt. Allerdings wird sich das ohnehin geringe Output weiter verringern – und vielleicht kommt irgendwann der Zeitpunkt, bei dem aus dem “fading away” ein “Farewell” wird.
…ha, ha – und dann eines Tages – wenn Du wie ich 68 bist – fängst Du wieder damit an – wenn es dann noch Blogs geben sollte.
Das nur so nebenbei – en passant…
Peter
Mh, ich werde hoffentlich schon davor wieder mehr Lust zum digitalen Tagebuch entwickeln.
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